Was wäre eigentlich, wenn Eisbär Knut mit einer Magensonde statt mit der Flasche aufgezogen worden wäre?

Was wäre eigentlich, wenn Eisbär Knut mit einer Magensonde statt mit der Flasche aufgezogen worden wäre?


Die Anzahl jener Menschen, die in Pflege- oder Seniorenheimen leben ist derzeit noch gering. Rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt. Doch das wird sich ändern! Der Grund: Die Menschen werden immer älter und immer weniger Kinder kommen zur Welt. Seit 2009 ist die Anzahl der in Heimen Versorgten um 3,6 Prozent gestiegen. Gegenwärtig leben in Deutschland 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenz, 2030 werden es vermutlich 2,15 Millionen sein. Wie soll künftig die Pflegeinfrastruktur aussehen, wie soll das finanziert werden? Wird es Realität, dass es in Deutschland den Haustieren bald besser geht als den Senioren?Jana Schimke, die im Herbst 2013 im Wahlkreis Dahme Spreewald zur Bundestagswahl für die CDU kandidiert, wollte sich zu diesen brisanten Fragen ein Bild verschaffen und mit Senioren und Pflegeorganisatoren ins Gespräch kommen. Vergangenen Donnerstag besuchte sie das Seniorenheim Wilhelm Busch.

72 Senioren werden im Busch Heim in 46 Doppel- und 13 Einzelzimmern betreut. “Der Pflegebedarf ist da und er steigt stetig.”, sagte Carola Ahlert, Geschäftsführerin der Volkssolidarität Bürgerhilfe e. V.. Rund 30 Anmeldungen hängen in der Warteschleife für das SeniorenheimVor diesem Hintergrund wollten die Betreiber vor einigen Jahren einen Erweiterungsanbau aus dem Boden stampfen. Der Grundstücksbesitzer und die Gemeindevertretung signalisierten dafür grünes Licht. Doch die Nachbarn machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.
Sie hatten eine Petition gegen den Erweiterungsbau verfasst und mit Klagen ins Unermessliche gedroht. Es sei zwar ein gutes Vorhaben, aber nicht vor ihrer Haustür, argumentierten damals die Nachbarn. Die Volkssolidarität ließ daraufhin das Projekt fallen. Carola Ahlert nannte die Pflege Probleme beim Namen und kritisierte indirekt die Gesellschaft, die darüber hinweg schaut. 63 Minuten Pflegezeit in 24 Stunden billigt das Pflegesystem einem Senioren zu. Darin sind Verpflegung, Körperpflege und soziale Betreuung enthalten. Viel zu wenig, meint Carola Ahlert.

Ein Glück, dass es da die Kinder und Schüler der Kitas und der Grundschule gibt. Regelmäßig montags kommen die Grundschüler der Arbeitsgemeinschaft Generationen in das Seniorenheim und sorgen für Abwechslung. Und wenn die Kita Kinder mit Tänzen und Liedern vor den Senioren auftreten, dann ist die kranke Welt für einige Augenblicke ganz heil. Carola Ahlert ist sich sicher: Wenn die Politik nicht für eine Kehrtwende in der Altenpflege sorgt, wird die Pflegesituation, vor allem im ländlichen Raum, in den nächsten zehn Jahren kollabieren. “Kein Pflegedienst in der Uckermark wird es sich leisten können, kilometerweit über die Dörfer zu fahren um die Menschen zu versorgen.”, so Ahlert.

Pflegebedürftige Alte werden deshalb nach ihrer Überzeugung in die Städte umziehen müssen, wo die Versorgungssituation noch besser ist. Über alternative Wohnformen, wie beispielsweise Senioren Wohngemeinschaften müsse verstärkt nachgedacht werden. Erst jüngst wurde eine solche WG in Lübben eröffnet berichtet Carola Ahlert.

An Durst leidende Senioren? Für die Heimleiterin Babett Britz ein Horrorszenario. Eine computerbasierte Pflegedokumentation soll helfen, dass so etwas im Wilhelm Busch Heim nie geschieht. Auf Touchscreen Monitoren, die in unmittelbarer Nähe der Zimmer angebracht sind, wird genau erfasst, wenn Essen und Getränke auf ein Zimmer gereicht werden. Das Programm signalisiert sofort, wenn ein Heimbewohner nur 750 Milliliter anstatt 1.500 erhalten hat. “Deshalb kann ich nicht verstehen, weshalb es Fälle in Deutschland gibt, wo Menschen in einer Pflegeeinrichtung verdursten.”, konstatiert Ahlert.

Eine Frage von Jana Schimke konnte die Chefin des Heimbetreibers allerdings nur vage beantworten! Die CDU – Bundestagskandidatin wollte wissen, wie es zu “Pflegeskandalen” kommen kann, wo alte Menschen misshandelt oder fixiert werden. “Mir sind solche Fälle schleierhaft. Das können nur schwarze Schafe sein!”, sagte Ahlert. Das Seniorenheim Wilhelm Busch ist ein offenes Haus. Täglich kommen Friseure, Ärzte, Physiotherapeuten, Betreuer und Familienangehörige. Sie alle sehen die Senioren und spüren die gute Atmosphäre in der Einrichtung, argumentiert Carola Ahlert. In Tierheimen werden Hunde regelmäßig “Gassi” geführt, Strafgefangene haben das Recht auf Bewegung an der frischen Luft – und was ist mit Pflegebedürftigen? Gute Pflege ist ein Menschenrecht, gerade im letzten Lebensabschnitt!

Quelle: Der Schulzendorfer