Verantwortung auch für morgen tragen

Verantwortung auch für morgen tragen
Ein Beitrag von Jana Schimke in "Der Hauptstadtbrief"

Wo die Agenda 2010 aufgehört hat, sollten wir jetzt weitermachen:
mit privater Vorsorge und mehr Flexibilität beim Renteneintritt, weil es notwendig ist, bei einer älter werdenden Gesellschaft auch länger zu arbeiten

Vor gerade erst zehn Jahren brachten hohe Lohnnebenkosten, Arbeitslosigkeit und überlastete Sozialsysteme Deutschland international ins Hintertreffen. Die anschließenden Reformen waren einschneidend und nicht immer populär. Doch heute wie damals wissen wir, dass dieser Weg richtig war. Es geht uns gut. Wir verfügen über eine stabile konjunkturelle Lage, Rekordbeschäftigung und Rekordeinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben. Sich jetzt darauf auszuruhen, wäre jedoch ein Fehler. Dies lehrt nicht nur die Erfahrung – es wird auch durch die demographische Entwicklung bestätigt. Eine alternde Gesellschaft und sinkende Geburtenraten stellen unsere Sozialsysteme und den Arbeitsmarkt vor enorme Herausforderungen. Dafür sind wir insbesondere in der Rentenpolitik noch unzureichend aufgestellt.

Ziel der Union ist es, dafür zu sorgen, dass es den Menschen auch in Zukunft noch gut geht. Wir tragen die Verantwortung nicht nur für heute und jetzt, sondern auch für morgen und übermorgen. Diesem Grundsatz folgt die Initiative der Agenda 2020. Wir haben dargelegt, worauf es in der nächsten Zeit ankommt und wo wir den „roten Faden“ einer zukunftsfesten Politik sehen. Jeder von uns weiß, dass die gesetzliche Rente später nur einen Teil des durchschnittlichen Einkommens abdecken wird. Deshalb war es richtig, die Menschen aufzufordern, auch die private und betriebliche Altersvorsorge zu nutzen. Dieses Anliegen ist heute wichtiger denn je, findet in der öffentlichen Debatte aber kaum mehr statt. Deshalb ist es notwendig, unbürokratische Wege für die selbstständige Vorsorge zu eröffnen und die zweite sowie dritte Säule der Altersvorsorge weiter zu stärken. Gleichzeitig gilt, und das war immer Gegenstand christlich-demokratischer Politik, den Schwächsten zu helfen. Mit der Verbesserung der Erwerbsminderungsrente und des Reha-Budgets gehen wir genau das im aktuellen Rentenpaket an.

Doch die Hauptursache für spätere Altersarmut liegt nicht im Rentensystem, sondern in Arbeitslosigkeit. Deshalb müssen wir Beschäftigung fördern und auch in der politischen Debatte umdenken. Die Zeiten haben sich geändert und Arbeitgeber investieren viel in familienbewusste Arbeitszeiten, ein betriebliches Gesundheitsmanagement oder ergonomische Arbeitsplätze für ältere Beschäftigte. Das alles wird gestützt durch ein hohes Maß an tariflicher Bindung, einer guten Lohn- und Gehaltsentwicklung und schließlich auch durch gesetzliche Regeln. Arbeit ist keine Strafe oder nur Lebensunterhalt, sondern bedeutet Anerkennung, Wertschöpfung und Selbstbestätigung. Das sind wohlgemerkt die Hauptgründe für die Aufnahme einer Beschäftigung nach Renteneintritt. Nicht ohne Grund steigt der Wunsch, erwerbstätig zu sein, je näher das Rentenalter rückt. Beim Online- Versandhändler Amazon finden sich mehrere hundert Publikationen mit Titeln wie „Nein! Ich will keinen Seniorenteller“ oder „Und dann? 101 Ideen für den Ruhestand“. Die Ressourcen des Alters zu nutzen ist deshalb eine sinnvolle wie notwendige Forderung der Agenda 2020.

Wir leben nicht nur länger, wir sind heute auch länger fit und möchten uns neben dem Ehrenamt und der Familie auch aktiv in das Erwerbsleben einbringen. Unsere Betriebe schätzen nicht nur das Know-how der Älteren, sondern sind schlichtweg auf sie angewiesen. Diese Entwicklung muss sich auch bei künftigen rentenpolitischen Entscheidungen abbilden. Jene, die länger arbeiten können und wollen, sollten dies auch ohne bürokratische Hürden mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren dürfen – die dafür im Rentenpaket getroffene Regelung ist ein Anfang. Individuelle Lösungen und Flexibilität beim Renteneintritt bedeuten nicht nur einen Gewinn für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern für die gesamte Gesellschaft. Der demographische Wandel bietet daher auch Chancen – und die sollten wir nutzen.

Mit der Rente mit 67 oder dem Nachhaltigkeitsfaktor wurden in der Vergangenheit unter großen Anstrengungen neue Wege bei der gesetzliche Rente beschritten. Wir haben den Menschen deutlich gemacht, dass es notwendig ist, bei einer immer älter werdenden Gesellschaft auch länger zu arbeiten. Wir dürfen deshalb den Kompromiss einer möglichst ausgeglichenen Lastenverteilung zwischen der jungen und älteren Generation nicht aus den Augen verlieren. Maß und Mitte müssen die Wegbegleiter einer generationengerechten Politik und damit unserer Zukunft sein.

Quelle: Der Hauptstadtbrief (Jana Schimke)