Themen von Rente bis Kohleausstieg

Jana Schimke (CDU) holt sich Anregungen und Bodenhaftung aus ihren Begegnungen mit den Menschen vor Ort.
 
Zur attraktivsten Politikerin Deutschlands ist Jana Schimke jüngst bei einer Umfrage für den Playboy gewählt worden. Die 37-jährige Bundestagskandidatin der CDU im Wahlkreis 62 ist aber keine, die sich fürs Foto in Positur rückt oder auf einer Baustelle um die Absätze bangt.
 
Das ist im Heideblick-Ortsteil Beesdau zu erleben, wo als Folge des Grundwasser-Wiederanstiegs nach dem Tagebau alle Straßen erneuert werden. Die Abgeordnete hakt nach, wie die Beesdauer damit leben. Der Ton ist vertraut. Man kennt sich.
 
Als Bundestagsabgeordnete habe sie sich in den Gemeinden ihres Wahlkreises als Ansprechpartnerin angeboten, wo Hilfe nötig ist. Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) macht häufiger davon Gebrauch. "Schnelle Infos aus erster Hand und das Gefühl, dass wir die Stimmung der Basis bis in den Bundestag vermittelt bekommen", sind die Gründe.
 
Gespräche vor Ort nutzt Jana Schimke auch, um politische Entscheidungsprozesse zu erklären. Bei Senioren in Bornsdorf geht es um die Rente und um den Spagat, bestmögliche Regelungen für alle Teile der Gesellschaft zu schaffen. Junge Abgeordnete sehen die Rente mit 63 kritisch, sagt sie.
 
Wie in Heideblick will sie bei ihren Touren durchs Land erfahren, was die Menschen von Gesetzen, über die sie mitentscheidet, halten. Zudem helfen ihr die Begegnungen, die Bodenhaftung nicht zu verlieren, so die Politikerin.
 
Aufgewachsen in Cottbus, betrachtet sich die CDU-Frau, die heute in Rangsdorf lebt, als Stimme für den Osten. Netzentgelte, Bundesverkehrswegeplan, seien klassische Themen für die neuen Länder. Arbeitsmarkt und Soziales sind Jana Schimkes Fachgebiet. Sorge mache ihr die Zukunft der Lausitz. Kohleausstieg, bevor regenerative Energien ausreichend entwickelt sind, halte sie für schwierig. Außerdem wichtig ist ihr der Fachkräfte nachwuchs. In der Bildungspolitik gebe sich Brandenburg "mit Mittelmaß zufrieden". Die Folge sei, dass Firmenchefs, keine geeigneten Azubis finden, so Jana Schimke. Wie das zu ändern ist, darüber sei zu reden. Als Bundestagsabgeordnete wolle sie beitragen zur besseren Vernetzung von Bund, Land und Kommunen.
 
Zu ihrer Meinung steht Jana Schimke. Sie hat gegen die Ehe für alle gestimmt, weil Gleichstellung aus ihrer Sicht keine Gleichheit mit einer Ehe von Mann und Frau bedeutet, aus der Kinder hervorgehen können. Dafür sei sie "teils unter der Gürtellinie" angefeindet worden, sagt sie.
 
Die Lust an politischer Auseinandersetzung bringe sie aus dem Elternhaus mit. Beim Mauerfall war sie zehn Jahre. Ihre Familie habe die Wende als Befreiung empfunden, doch nicht für jeden war das so. Der Wandel der Gesellschaft habe sie gereizt, Politikwissenschaft zu studieren. Nach Tätigkeiten für Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag sowie in Wirtschaft und Verbänden wurde die Lausitzerin 2013 in den Bundestag gewählt. Für sie sei Politik nicht Beruf, sondern Berufung. Dass sie das mit ihrem Partner teilen kann, der ebenfalls Politikwissenschaftler und für einen Wirtschaftsverband tätig ist, sei ein großes Glück, so die Mutter eines zweijährigen Sohnes.
 
Zum Thema:
 Jana Schimke wurde am 6. September 1979 in Cottbus geboren. Sie studierte Politikwissenschaft und arbeitete von 2008 bis zu ihrer Wahl in den Bundestag 2013 bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. In der CDU ist sie seit 2003. Von 2002 bis 2006 betreute sie die Büros mehrerer Bundestagsabgeordneter. Seit 2014 ist sie Vorstandsmitglied im Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie Mitglied der Bundesfachkommission Arbeitsmarkt und Alterssicherung des Wirtschaftsrates der CDU. Seit Februar 2016 leitet sie die Kommission für modernes Arbeits- und Sozialrecht im Parlamentskreis Mittelstand. Im LDS ist sie stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende.

Quelle: Lausitzer Rundschau (Carmen Berg)