"Man muss sich hohe Ziele setzen"

"Man muss sich hohe Ziele setzen"
Seit 100 Tagen vertritt Jana Schimke die Region im Bundestag

Seit genau 100 Tagen vertritt Jana Schimke den Wahlkreis 62 in Berlin. Kein Neuland für die 34-Jährige: Vier Jahre hat sie bereits für verschiedene Abgeordnete im Bundestag gearbeitet. Ihre jetzigen Schwerpunkte sind die Themen Arbeit und Soziales sowie Bildung und Forschung.
 
Jana Schimke ist nervös. Für die CDU-Politikerin ist heute ein wichtiger Tag: Zum ersten Mal in ihrem Leben wird sie im Bundestag ans Rednerpult treten. "Es ist nicht die erste Rede, die ich halte.

Aber das ist schon etwas Besonderes, das erste Mal in diesem großen Haus vor dem Parlament zu sprechen", sagt die junge Bundestagsabgeordnete. Sechs Minuten wird sie über die Rente mit 63, den Mindestlohn und die Rentengerechtigkeit in Deutschland sprechen, verrät sie. Ihr Rezept gegen die Aufregung ist dabei simpel. "Da hilft vor allem eines: gute Vorbereitung."

Ihr erster Auftritt im Plenum fällt just auf das Datum, an dem sie seit 100 Tagen Abgeordnete ist. Am 22. Oktober 2013 hatte sich der 18. Deutsche Bundestag konstituiert. Seither vertritt Jana Schimke den Wahlkreis 62 in Berlin. Wegen der langwierigen Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD konnte das politische Tagesgeschäft aber erst Anfang dieses Jahres richtig ins Rollen kommen.

"Als neuer Abgeordneter ist es nicht von Nachteil, wenn man etwas mehr Zeit hat, sein Büro aufzubauen und die Arbeit zu organisieren", sagt Jana Schimke. Und über Leerlauf konnte sie sich in den vergangenen Monaten nicht beklagen. "Ich habe versucht, diese Zeit zu nutzen, mich auf meinen Wahlkreis zu konzentrieren." Denn ihr Gebiet ist groß ‒ es umfasst den Landkreis Dahme-Spreewald, einen Großteil von Teltow-Fläming und die Region um Lübbenau. "Das Navi ist immer noch mein ständiger Begleiter", gibt Jana Schimke lachend zu. Dennoch kenne sie mittlerweile viele Schleichwege und habe ihren Wahlkreis gut kennengelernt. Ein paar Bürgermeisterbesuche stehen allerdings noch aus ‒ zum Beispiel in Lübbenau, Märkische Heide oder Niederer Fläming.
 

Kein Neuling im Bundestag
  • 37 Prozent der Wählerstimmen erhielt Jana Schimke bei der Bundestagswahl im September 2013 und sicherte sich damit das Direktmandat im Wahlkreis 62.
  • 2 Bundestagsausschüsse gehören in der aktuellen Legislaturperiode zum Aufgabenfeld der Diplom-Politikwissenschaftlerin. Sie ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Außerdem ist Jana Schimke Berichterstatterin in der CDU-Fraktion für die Belange der neuen Länder.
  • 2003 trat sie in die CDU ein, seither war sie Vorsitzende der Frauenunion Potsdam und stellvertretende Landesvorsitzende der Frauenunion Brandenburg.
  • 4 Jahre hat sie bereits im Deutschen Bundestag gearbeitet und war für verschiedene Abgeordnete aus der CDU-CSU-Bundestagsfraktion tätig. Unter anderem für den jetzigen Verkehrsminister Alexander Dobrindt.

Dieser Tage wird dafür jedoch keine Zeit sein. Es ist Sitzungswoche in Berlin, der Kalender der 34-Jährigen gespickt mit Terminen, Ausschüssen und Beratungen. Ein Treffen mit dem IHK-Geschäftsführer aus Cottbus, eins mit der Vertreterin der australischen Botschaft, ein Termin mit dem Vorstand der Deutschen Bahn, Neujahrsempfänge, Arbeitsgruppen und etliche Sitzungen bestimmen die Woche von Jana Schimke. "Man kann sich jeden Tag von morgens bis abends den Kalender zupacken, aber das hält man nicht lange durch", sagt sie während sie in den Kalender ihres Tablet-Computers schaut.

Meist beginnt der Arbeitstag der CDU-Politikerin gegen 7 Uhr. Der Tag ist durchgetaktet ‒ manchmal bis weit nach 21 Uhr. Für Freizeit bleibt kaum Gelegenheit. "Sich mit einem guten Buch zurückzuziehen gelingt glaube ich eher im Urlaub. An freien Wochenenden heißt es dann Wäsche waschen, Einkaufen und vor allem Zeit mit der Familie zu verbringen", sagt die 34-Jährige und lehnt sich auf ihrem schwarzen Stoffsofa zurück.

Wenn sie von dem Zweisitzer aus aus dem Fenster blickt, kann sie die gläserne Kuppel des Reichstags sehen. "Mit diesem Büro habe ich richtig Glück gehabt", freut sich die Politikwissenschaftlerin. Mittlerweile hat sie sich den überschaubaren Raum eingerichtet. An der Wand eine Karte von Brandenburg, hinter ihrem Schreibtisch hängt ein abstraktes, quadratisches Bild in Orange- und Grüntönen. Ein ehemaliger Kollege hat es gemalt und ihr geschenkt. "Für mich ist das Berlin-Hohenschönhausen", interpretiert sie das Gemälde. An den Türen kleben eines ihrer Wahlplakate und die Auswertung ihrer Wahlergebnisse.

Zum Mobiliar gehört ein Regal, das bis unter die Decke reicht. Einige Bücher sind dort bereits eingezogen. Eines enthält Kurzgeschichten aus dem Spreewald. "Ein Geschenk der Sorben", sagt sie und stellt es behutsam zurück an seinen Platz. "Hier stehen Dinge aus meiner Heimat und meinem Wahlkreis, die mich daran erinnern, wo ich herkomme", sagt sie und greift nach einem Souvenir, das sie an ihre politischen Kinderschuhe erinnert. "Das bedeutet mir sehr viel", sagt sie und präsentiert einen Glaswürfel, darin schimmert ein Hologramm des Bundestags. Sie bekam ihn zum Ende ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Unionsfraktion. "Meine Kollegen haben mir das geschenkt. Seither stand das Hologramm auf meinem Schreibtisch."

Heute füllen ihren Arbeitsplatz vor allem Termin- und Briefmappen. Rund ein Dutzend davon türmen sich auf ihrem Schreibtisch. Eine Menge Arbeit, denn die junge Abgeordnete hat sich für die kommenden vier Jahre einiges vorgenommen. Sie will sich vor allem in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik engagieren. "Es ärgert mich zu sehen, dass wir in den neuen Bundesländern noch einen Schritt hinterher sind. Wir leisten die gleiche gute Arbeit, haben die gleich gut qualifizierten Leute", sagt sie im Hinblick auf die Unterschiede bei den Gehältern in Ost und West. Sie will diese Gegensätze aber nicht per Gesetz und Umverteilung ausgleichen. "Ich will dafür arbeiten, dass wir irgendwann aus eigener Kraft diese strukturellen Schwächen überwinden", sagt sie.

"Gerade mit Blick auf meinen Wahlkreis will ich mich dafür einsetzen, dass kleine und mittelständische Unternehmen auch einen Weg finden, mit dem Fachkräftemangel umzugehen", sagt Jana Schimke, die sich auch für den Bildungsstandort in der Region einsetzen will. "Ich wünsche mir, dass unser Hochschulstandort noch stärker wird. Die TH Wildau ist eine sehr gute Hochschule mit sehr gutem Ruf." In Kürze plant die Abgeordnete ihren Antrittsbesuch in Wildau. Dann will sie sich mit TH-Präsident László Ungvári austauschen, um zu erfahren, "wo der Schuh drückt und wo ich behilflich sein kann".

Dass ihre Ziele nicht einfach zu erreichen sein werden, weiß die 34-Jährige. Allein ihre Fraktion besteht aus 311 Abgeordneten. Da braucht es Durchsetzungsvermögen. Doch die junge Politikerin bleibt da ganz gelassen. "Ich vertrete in Berlin eine sehr schöne Region. Und das tue ich auch mit Selbstbewusstsein", sagt sie kampfeslustig. "Man muss sich hohe Ziele setzen, um am Ende auch das eine oder andere zu erreichen." Mit ihren Ideen und ihrem Ehrgeiz könnte Jana Schimke dabei für einigen Wirbel sorgen. "Ich war als Kind auch schon ein kleiner Rebell", sagt sie keck. Aber Jana Schimke beherrscht ihre Rolle als Politikerin längst und fügt deshalb hinzu: "Man muss es aber klug anstellen. Mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, das funktioniert nicht."

Quelle: MAZ (Nadine Pensold)