Kiefernspinner trübt Zukunftshoffnungen

Kiefernspinner trübt Zukunftshoffnungen
Teile der Wälder um Peitz und Lieberose kahl gefressen / Bundesregierung unterstützt Naturausstellung INA

PEITZ/LIEBEROSE Das Bild ist erschreckend: Kahle Bäume dominieren weite Flächen in den Kiefernwäldern um Peitz und Lieberose – Fraßschäden des Kiefernspinners. Dennoch geben Forstexperten den Wald nicht verloren. Die internationale Naturausstellung INA entwickelt sich trotz der Schäden gut.
Gleich zwei CDU-Bundestagsabgeordnete waren aus Berlin angereist, um sich in den Wäldern von Dahme–Spreewald und Spree-Neiße anzusehen, welche Sorgen Förster, Lokalpolitiker und Naturschützer vor Ort bewegen. Klaus-Peter Schulze und Jana Schimke hatten sich einen ganzen Tag Zeit genommen, um das Areal der Internationalen Naturausstellung INA zu besuchen.

Zunächst aber wollten sie wissen, wie groß die Schädigungen durch die aktuelle Kiefernspinnerplage in der Region sind. Axel Becker, Leiter der Oberförsterei Lieberose, muss derzeit mit ansehen, wie die unscheinbaren Raupen große Flächen im Naturschutzgebiet Lieberoser Heide kahl fressen. "Rund 500 bis 600 Hektar sind betroffen", sagt er, fügt aber gleich hinzu, dass es Hoffnungen gibt, dass ein großer Teil dieser Bäume im Frühjahr wieder ausschlägt. "Früher haben wir in solchen Fällen zu schnell abgeholzt, jetzt warten wir erstmal ab", sagt er. Mit 20 bis 40 Prozent Verlust müssten die Förster dennoch rechnen. "Das gibt kein schönes Bild für Besucher. "Aber", so ergänzt Beckers Kollege Romeo Buder aus Straupitz: "Hier stehen 12 000 Bäume auf einem Hektar. Kein Wunder, dass die Kiefern nicht stark genug sind, um den Schädlingen zu widerstehen." Bedingt durch die große Enge können die Kiefern keine starke Krone ausbilden. Gibt es mehr Luft zwischen den Bäumen, steigt auch die Widerstandskraft der Bäume. "Die Kiefer als Pionierpflanze ist ja ohnehin ein Überlebenskünstler" sagt Romeo Buder. Er selbst hat die Erfahrung gemacht, dass Wälder den Kiefernspinner überleben, ohne dass man Insektizide spritzt. Sein Kollege Axel Becker wäre dem Kiefernspinner dennoch gern mit Gift zu Leibe gerückt.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz aber hat den Einsatz eines wirksamen Insektizids im Naturschutzgebiet in diesem Jahr erstmals verboten. "Und, dass es auch Ausnahmegenehmigungen gibt, haben wir zu spät erfahren", sagt Becker. Klaus-Peter Schulze, von Haus aus Biologe, gibt ihm den Tipp, im nächsten Jahr rechtzeitig eine solche Ausnahmegenehmigung zu beantragen. "Dann sind Sie auf der sicheren Seite."

Schulze, der im Bundestag sowohl im Umwelt- als auch im Tourismusausschuss sitzt, hat doppeltes Interesse an der Entwicklung der Lieberoser Heide. Der Bundestag hat 720 0000 Euro in den Haushaltsplan eingestellt, um die Entwicklung der INA zu unterstützen. In diesem Projekt sollen das 25 000 Hektar große Kerngebiet der Lieberoser Heide und rund 75 000 Hektar Umland so entwickelt werden, dass Naturschutz, Forstwirtschaft, Tourismus und die Nutzung durch Anwohner eine einmalige Allianz eingehen. Amtsdirektor Bernd Boschan (parteilos): "Wir haben bei der Entwicklung der INA viel erreicht, konnten 34 Kilometer Wildnispfade für Wanderer anlegen und haben Verbindungen zwischen Schwielochsee, Spreewald, Cottbus und Burg geschaffen, die den Tourismus befördern und der Natur trotzdem ungestörten Raum lassen. Wenn alles klappt, soll 2020 das Präsentationsjahr der INA mit geschätzt 250 000 Besuchern werden. "Die Bundesregierung unterstützt uns sehr schön", so Boschan.

Was aber fehlt, sei ein Bekenntnis der Landeregierung. Heiko Jahn vom Regionalbeirat der INA: "Ein Kabinettsbeschluss oder ein paar Sätze eines Ministers würden helfen, weitere Projekte auf den Weg zu bringen."

Quelle: Lausitzer Rundschau (Andrea Hilscher)