Junge Lübbenerin sieht Spreewald "zu sehr auf alt reduziert"

Junge Lübbenerin sieht Spreewald "zu sehr auf alt reduziert"
Familie Liebscher nutzt CDU-Gesprächsangebot

SCHLEPZIG Bei Kaiserwetter haben die Spreewälder Touristiker an diesem Tag offenbar gut zu tun. Nur zwei von ihnen, Vater und Tochter Liebscher aus Lübben, nutzten am Mittwoch eine Gesprächsangebot der Brandenburger CDU-Spitze in Schlepzig. Da sitzen Abgeordnete aus Landtag und Kreistag, Presseleute, Fraktionsmitarbeiter, die Bundestagskandidatin Jana Schimke und gar Brandenburgs CDU-Chef Michael Schierack unter der lauschigen Kastanie auf dem Hof des "Grünen Strands zur Spree" in Schlepzig. Und doch werden sie nicht gerade bestürmt von den Spreewälder Touristikern und ihren Sorgen. Nur Jörg-Peter Liebscher und Tochter Rodica sind von Lübben herübergekommen in den Unterspreewald. Beide nehmen kaum ein Blatt vor den Mund, wenn es um den Tourismus im Spreewald und speziell in Lübben geht.

Liebschers haben mehrere wirtschaftliche Standbeine. Es gibt das Bluming Inn am Markt, Ehefrau Yvonne ist der kreative Kopf hinter diversen Deko-Angeboten bei Messen, für Fernseh-Aufzeichnungen und Live-Schalten oder wie derzeit auf der Landesgartenschau in Prenzlau. Und seit wenigen Monaten betreibt die Familie die "blauen Gärten" in Lübben-Neuendorf. Hinter hohen Hecken verbergen sich exklusive Ferienwohnungen in blauen Häusern, bezuschusst aus europäischen Fördertöpfen.

Am Konzept für die sieben Appartements hat vor allem Rodica Liebscher gestrickt, wobei sie das Wort nicht verwenden würde. Stricken klingt zu sehr nach Oma. Die junge Lübbenerin will deutlich mehr junge Gäste in den Spreewald locken. "Junges Design, offener Stil, nicht die Tassen und die Bettwäsche der Großmutter", sagt die studierte Sport- und Tourismusmanagerin. Der Spreewald werde "zu sehr reduziert auf alte Leute". Speziell Lübben müsse besser vermarktet werden – immer wieder fällt der Name der Tourismus, Kultur- und Stadtmarketing GmbH (TKS), einer kommunalen Gesellschaf der Stadt Lübben. Rodica Liebscher: "Die müssten viel kreativer sein. Lübben hat doch viele gute Angebote." Schon nach wenigen Monaten im Geschäft mit der Vermietung urteilt sie: "Wir haben festgestellt, dass wir die TKS nicht brauchen."

Ihr Klientel komme über das Internet, dort laufe ihre Werbung, und diese Gäste "wollen ein junges Programm". In den Veranstaltungsübersichten beispielsweise fehlten viele, vor allem kleine Offerten, die meist privat vorbereitet werden. In Schlepzig oder Lübbenau bewege sich viel mehr. Und da Liebschers gern die Dinge, die sie ihren Gästen empfehlen, selbst ausprobieren, schwärmen sie beispielsweise vom "Mitmach-Museum in Lehde samt Holzpantinentanz". Den Leiper Weg habe sie genossen, das Lausitzer Seenland besucht, das Spreeweltenbad in Lübbenau, den Gräbendorfer See.

Zu vielen Themen lässt Rodica Liebscher eine erfrischende Offenheit in ihre Worte. Eine Umgehungsstraße für Lübben? "Das wird der Stadt schaden, so, wie es Luckau schadet." Es gebe ja keine Staus wie in Berlin, und – andererseits – wo viele Autos seien, da "ist was los". Vater Liebscher hat ebenfalls eigene Vorstellungen. Zu viele Lkw in Lübben? Dann soll doch der Bürgermeister für die Durchfahrt Geld verlangen? Die Politiker schmunzeln, wissen, dass so etwas natürlich rechtlich nicht möglich ist. Wäre die Welt doch so einfach.

Liebscher sagt, es müsse schnell ein Radweg her, der die Lücke im Netz zwischen Duben und Neuendorf schließt. Sonst bleibe Luckau abgehängt. Olaf Schulze, stellvertretender CDU-Chef in Dahme-Spreewald und Kreistagsabgeordneter, weiß, dass darüber diskutiert wird: "Ein Radweg an der Straße, dann zahlt der Bund, oder einer etwas weiter weg, dann müssen Land oder Kreis ran." Liebscher: "Man sollte nicht so lange debattieren. Ich bin Unternehmer. Wenn ich das nicht bin, bin ich Unterlasser." So etwa hören Politiker nicht gern, und schon gar nicht eine weitere Überlegung von Rodica Liebscher. Vielleicht werde sie nach München gehen, dort arbeiten, mehr Geld verdienen, auch wenn sie die Familie nur ungern zurücklasse. So wie sechs Schulfreundinnen, mit denen sie in Lübben einst Abitur gemacht hat.

Quelle: Lausitzer Rundschau/Jan Gloßmann