Die Genderdebatte geht weiter

Die Genderdebatte geht weiter
Dienen weibliche Berufsbezeichnungen der Gleichberechtigung?

MAZ-Leser halten nicht viel von mehr weiblichen Formulieren in der Sprache. Bei unserer Online-Abstimmung antworten 96 Prozent auf die Frage, ob weibliche Berufsbezeichnungen für Männer sinnvoll sind, mit „Nein“. Seit dem Beschluss des Senats der Universität Potsdam, die Geschäftsordnung entsprechend zu ändern, wird die Frage heftig diskutiert.

Pro: Letztes Jahr verdienten Frauen im Schnitt pro Stunde 22 Prozent weniger als Männer. Bei den Vorständen der 30 größten deutschen Aktienunternehmen kommen auf 98 Männer nur zwei Frauen. Und der Frauenanteil in der Professorenschaft beträgt in Deutschland gerade einmal schlappe 17 Prozent. Jahrzehntelange Debatten über Frauenrechte haben viel bewegt, die strukturelle Benachteiligung von Frauen aber nicht beseitigt. Natürlich wird der Anteil der (weiblichen!) Professorinnen nicht dadurch größer, dass wir jetzt ,Professorin’ sagen, auch wenn wir einen Mann meinen. All diese Instrumente, die Oasen der Gleichberechtigung schaffen, sei es durch Quotenregelungen oder grammatikalische Vorschriften, mögen im Einzelfall aufgesetzt oder überregulierend wirken. Aber solange die Hürden für Frauen in unserer Gesellschaft noch so hoch sind, sind diese Instrumente auch dann legitim, wenn sie im Einzelfall möglicherweise Männer benachteiligen. Denn in Summe und auf Dauer schärfen sie das Bewusstsein und stärken sie die Gleichberechtigung.

Marie Luise von Halem, geboren 1962 in München, ist Parlamentarische Geschäftsführerin und bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen

Contra: So ernsthaft über weibliche Formulierungen in der Sprache diskutiert wird, so wenig ist dies ein Beitrag zur tatsächlichen Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft. Die Debatte hilft keiner einzigen Doktorandin, schneller zur Professur zu gelangen und auch keiner einzigen jungen Mutter, den Spagat zwischen Job und Familie zu bewältigen. Das „generische Femininum“ ist Symbolpolitik und Gleichstellung auf dem Papier, mehr nicht. Die Frage lautet doch, wie wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem auch Karrierewege von Frauen tatsächlich stärken können. Hier hat die CDU Fakten geschaffen: Große Unternehmen haben sich konkrete Ziele für mehr Frauen in Führungspositionen gesetzt – und erreicht. Das strahlt auf die gesamte Wirtschaft aus. Wir haben den längst überfälligen Ausbau der Kinderbetreuung auf den Weg gebracht und mit dem Elterngeld mehr Väter zur Inanspruchnahme von Elternzeit ermutigt. Und wir stellen die erste Bundeskanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik. Das ist gelebte Gleichberechtigung.

Jana Schimke, geboren 1979 in Cottbus, ist CDU-Direktkandidatin für die Bundestagswahl im Kreis Dahme-Spreewald und stellvertretende Vorsitzende der Frauen-Union Brandenburg

Quelle: MAZ/Marion Kaufmann