Der Wolf bleibt ein Aufreger - Landwirte aus der Region treffen sich mit Politikern, um über Zäune, Entschädigungen und Verluste zu sprechen

Dahmeland-Fläming. Landwirt Jürgen Frenzel aus Hennickendorf ist gebeutelt. Im vergangenen Jahr hat er 40 Kälber bei Wolfsangriffen verloren, in diesem Jahr sind es schon wieder elf. „Das ist eine neue Qualität. Wenn das so weitergeht, halten wir das nicht mehr durch“, sagt er.

Um seinen Ärger loszuwerden, fand er sich dieser Tage an einer Weide bei Beelitz ein, die aussieht, wie viele Weiden heute aussehen müssen: Die Wiese ist mit einem sechs Kilometer langen Zaun gesichert, der aus fünf Drähten besteht und Strom führt. Die Zäune sollen Wölfe abhalten. Nur wer eine solchen Zaun hat, kann nach einem Wolfsangriff eine Entschädigung für gerissene Tiere geltend machen.

Bei dem Termin sollte um eben diese Zäune gehen, um ihre Wirkung und die Erfahrungen, die die Landwirte damit machen. Die CDU, die sich des Themas derzeit angenommen hat, hatte eingeladen. Die Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann war da, ebenso Marie-Luise Dött, umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und beide konnten sich die Klagen der Bauern darüber anhören, dass die Schäden, die direkt oder indirekt von Wölfen verursacht werden, für die Weidetierhalter der Region existenzbedrohende Ausmaße annehmen. Der Betrieb von Jürgen Frenzel etwa hat von den 40 verlorenen Kälbern bisher nur für 16 eine Ausgleichszahlung erhalten. „Von 21 Tieren haben wir gar keine Überreste gefunden“, berichtete er.

Der Betrieb liegt im Einzugsbereich des Dobbrikower Rudels, das sich offenbar auf Jungtiere spezialisiert hat. Für Jürgen Frenzel ist das ein doppeltes Problem. Einige der gerissenen Tiere seien erst in der Nacht zuvor zur Welt gekommen und hätten deshalb noch keine Ohrmarken gehabt, sagt er. Das erschwert den Nachweis des Risses.

Die Landwirte schilderten auch indirekte Folgekosten: „Eine Kuh, die ihr Kalb verloren hat, wird ihre Milch nicht mehr los. Es kommt zu Euterentzündungen. Die Kuh bekommt unter Umständen kein Kalb mehr und geht auf den Schlachthof“, so Frenzel.

Die Position der Landwirte der Region ist deshalb klar: Die Bejagung von Wölfen muss ermöglicht werden – und zwar in einem weiteren Rahmen als die Wolfsverordnung ihn derzeit vorsieht.

„Wir liegen im Bereich der Hauptpopulation, und die Tiere vermehren sich so stark, dass die Natur das alleine nicht geregelt bekommt“, argumentiert der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming, Helmut Dornbusch. Dornbusch hat in diesem Jahr selber mindestens drei Kälber verloren. Das sei zwar eher wenig im Vergleich zu dem, was die Bauern im Dobbrikower Raum hinnehmen müssen, Grund zum Ärgern ist es trotzdem. „Der Wolf ist da, und er soll auch bleiben. Aber wir müssen ihn bewirtschaften und bejagen können, so wie wir auch den Biber und den Fuchs bejagen“, sagt Dornbusch. Die Bauern fordern deshalb eine Lockerung und Entbürokratisierung der Wolfsverordnung. „Es kann doch nicht sein, dass man ein halbes Jahr auf die Entschädigungen wartet und vorher auch noch nachweisen muss, dass das Tier noch gelebt hat, als der Wolf es geholt hat“, so der Kreisbauernchef.

Rückendeckung bekommt er dabei von der CDU-Bundestagsabgeordneten Jana Schimke. Auch die spricht sich für eine erleichterte Entnahme von Wölfen aus. Schimke: „Der Schutz des Menschen und des wirtschaftlichen Handelns muss höher bewertet werden als der absolute Schutz des Wolfes.“

Was das konkret bedeuten soll, müssen Bund und Länder aber noch klären – etwa auf der Umweltministerkonferenz, die in dieser Woche in Bremen tagt. Dort hat ein breites Bündnis aus Landwirtschaftsverbänden einen Aktionsplan vorgelegt, der auch die Forderungen der hiesigen Bauern enthält.

Marie-Luise Dött sagte den Landwirten aber schon einmal zu, sich dafür einzusetzen, dass die wirtschaftlichen Schäden auf Bundesebene stärker in den Blick genommen werden.

Wir liegen im Bereich der Hauptpopulation, und die Tiere vermehren sich so stark, dass die Natur das alleine nicht geregelt bekommt. Helmut Dornbusch, Vorsitzende des Kreisbauern-verbandes Teltow-Fläming

 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung | Jens Steglich und Oliver Fischer