Kein ABM 2.0

Die Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit ist eine Aufgabe, an der sich schon viele Arbeitsminister mal mit weniger, mal mit mehr Erfolg versucht haben. In der Bundesagentur für Arbeit wurden in den letzten Jahrzehnten dazu mehrere Reformen angestoßen, die zu einem guten Ergebnis geführt haben und für die wir im Ausland geschätzt werden. Die Behörde ist schlanker, effizienter und erfolgreicher geworden. Ohne Zweifel haben die Hartz-Reformen der frühen 2000er Jahre die Arbeitsmarktpolitik in Deutschland auf neue Füße gestellt. Natürlich zählt auch das Experimentieren zur Lösung eines Problems. So zeigten einst Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) oder 1-Euro Jobs nur mäßigen Erfolg und waren oft ziellos und sinnfrei. Es wurde ein zweiter, wettbewerbsfremder Arbeitsmarkt etabliert, der die verfestigte Arbeitslosigkeit nicht beseitigte.

Der Passiv-Aktiv-Transfer folgt einer ähnlichen Systematik. Die von verschiedenen Experten geäußerte Kritik ist deshalb nachvollziehbar. In Zeiten von Rekordbeschäftigung und freien Stellen macht ein öffentlicher Beschäftigungssektor keinem Sinn. Auch steht der Aufwand von vier Milliarden Euro für rund 150.000 Personen in keinen ausgewogenen Verhältnis. Vielmehr gilt es, Langzeitarbeitslose ohne Umwege in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Dafür müssen wir unsere Jobcenter finanziell und personell besser ausstatten. Die Mischung aus Personalmangel, umfassender Widerspruchsbearbeitung und komplexer Fälle führt heute dazu, dass ein Berater mehr Sozialarbeiter, als Vermittler ist. Zudem verfügen wir bereits mit Eingliederungszuschuss, Qualifizierungsmaßnahmen oder auch Sanktionsmöglichkeiten über diverse Instrumente zur Arbeitsmarktintegration, welche fortgeschrieben und weiterentwickelt werden müssen. Unser Arbeitsmarkt befindet sich in einem ständigen Wandel, auf den Arbeitsvermittlung und Arbeitsmarktpolitik reagieren müssen. Eine ganzheitlicher Ansatz, der schon frühzeitig ansetzt, Kindern und Jugendlichen die Vielfalt und Chancen der Arbeitswelt zu vermitteln und Berufsorientierung nicht nur als etwas betrachtet, das kurz vor Verlassen der Schule akut wird, ist dafür die Grundlage.

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