An der Basis um Vertrauen werben

An der Basis um Vertrauen werben
Schierack und Heinrich besuchen die CDU-Mitgliederversammlung in Trebbin

Trebbin. Wer gewählt werden will, muss um Vertrauen kämpfen. Das gilt für die Kandidaten zum Deutschen Bundestag, die derzeit landauf, landab in den Wahlkreisen nominiert werden. Und das gilt auch für Michael Schierack und Anja Heinrich, das designierte Führungsduo der Brandenburger CDU. Am Freitag waren sie in Trebbin (Teltow-Fläming) zu Gast, wo die örtliche CDU zugleich die 33-jährige Jana Schimke zur Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis 62 wählte.

Sportlich eilt Michael Schierack von der Bühne herab. "Liebe Freunde, ich komme Ihnen noch entgegen – und ich bin es gewohnt, so vor meinen Studenten zu sprechen." Den ersten Lacher hat er sicher, am Freitagabend im Saal der Clauert-Stuben, einem traditionsreichen Landgasthof in Trebbin.

Rund 70 Parteimitglieder sitzen vor ihm im Saal mit dem Parkettfußboden, in dem die von der Decke herabhängenden dänischen Louis-Poulsen-Leuchten irgendwie nicht richtig zum rot und grün gestrichenen Bühnenhintergrund passen wollen. Am Tresen draußen gibt es Bier und Würstchen mit Kartoffelsalat, in der ersten Reihe bereitet sich die 33-jährige Politologin Jana Schimke auf ihren großen Auftritt vor.

Es ist die Wahlkreismitgliederversammlung im Bundestagswahlkreis 62, auf der die Mitglieder der CDU aus den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und der Stadt Lübbenau ihre Direktkandidatin für die anstehenden Bundestagswahlen im Herbst 2013 nominieren wollen. Es ist eine Veranstaltung, wie sie so oder so ähnlich derzeit überall im Land stattfindet. Es ist die harte Basisarbeit in der Brandenburger CDU.

"Ich will die Chance nutzen, mich Ihnen kurz vorzustellen", sagt Schierack am Rednerpult vor der Bühne. Im Vorfeld des am 17. November angesetzten Landesparteitags fahren Schierack und Heinrich derzeit von Kreisverband zu Kreisverband. Gemeinsam plädieren sie für innerparteiliche Geschlossenheit, wollen die fortwährenden Grabenkämpfe der vergangenn Monate und Jahre überwinden. "Wir müssen verabreden, wie wir intern miteinander sprechen", sagt Schierack. Die CDU stehe für Werte wie die Freiheit, die Verantwortung, Gottvertrauen und die Solidarität mit Schwächeren. "Ich glaube, dass uns viel mehr eint, als uns voneinander trennt."

Dann wirbt Schierack für Anja Heinrich: Die Landtagsabgeordnete aus Elbe-Elster, die neben ihm auf der Bühne sitzt, genieße sein "absolutes Vertrauen". Ein negatives Wort über Saskia Ludwig oder Dieter Dombrowski, die Vertreter der bisherigen Führungsspitze der CDU, kommt an diesem Abend nicht über seine Lippen. "Wir müssen unseren Kampf nicht intern, sondern mit dem politischen Gegner führen." Schierack erntet für seine Rede lange anhaltenden Applaus – so wie auch Jana Schimke.

Die für den bundesweiten Dachverband der Arbeitgeberverbände arbeitende Direktkandidatin präsentiert sich als Wirtschaftsexpertin, kritisiert die "demonstrative Unverantwortlichkeit von Wowereit und Platzeck" im BER-Deaster und stellt die Frage, "ob SPD und Linke überhaupt Wirtschaft können".

Die Sympathie ihres Publikums ist ihr an diesem Abend sicher: Mit 54 von 56 Stimmen wird sie souverän gewählt. Und auch Schierack und Heinrich erreichen in Trebbin ihr Ziel. "Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl", sagt etwa CDU-Mitglied Peter Preetz aus Rangsdorf nach der Rede von Michael Schierack. "Mit großer Überraschung" habe er in den vergangenen Monaten die Auftritte Saskia Ludwigs wahrgenommen. "Ich hoffe, dass wir nun wieder Ruhe in die Partei bringen."

Auch der Ortsverbandsvorsitzende aus Wildau, Mark Scheiner, hofft, dass die Union nun wieder friedlichere Fahrwässer ansteuert. "enn immerhin haben wir im nächsten Jahr ja drei Wahlkämpfe vor uns."

Quelle: LR/Benjamin Lassiwe